Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (24. September 1817)

Nach seiner Genesung schreibt B. in Andeutungen von den theuersten innern und äußeren LebensVerhältnissen (Begegnung mit M. Rapp). - Man sei mit allem Ernst darauf bedacht, die Gemäldesammlung nach Stuttgart zu holen. Zunächst habe B. dort nur wegen des Domwerks ("Ansichten, Risse ... des Doms von Köln") vorsprechen wollen (bei J. F. Cotta), habe dann aber auch die Ernsthaftigkeit des Angebots (vgl. RA 7, Nr. 937) geprüft. Bei näherer Betrachtung habe B. den Ort, die Menschen und Verhältnisse so durchaus einladend empfunden, daß nun Stuttgart der erwünschteste und angemessenste Ort für die Gemäldesammlung sei. B.s Abscheu vor dem Pr. Babel (Berlin) sei im Winter neu erwacht; erwähnt: M. Boisserée und J. B. Bertram. Nach vorläufigen Versicherungen glaube B. nun, in Stuttgart verhältnismäßig sogar dieselben Vortheile wie in Berlin zu erhalten. J. H. Dannecker, der in der Gemäldesammlung mit Großherzog Karl August zusammengetroffen sei, habe sich sehr für die Angelegenheit eingesetzt; erwähnt: die königlichen Herrschaften (von Württemberg). - Die Frankfurter Philister seien noch unentschlossen und kauften schlechte Bilder um theures Geld. - Über die Aktivitäten auf dem Kunstmarkt: Am Niederrhein und in Köln finden sich häufig Kunsthändler ein, welche alles, was sie von alten Sachen habhaft werden können, um schweres Geld aufkaufen, und nach Berlin schleppen. Die meisten Regierungen würden auf dem Kunstmarkt aktiv; erwähnt: die hannoverische Regierung und K. von Arnswaldt. Der Italiener L. Sacchi soll für 80,000 francs fast lauter geringes und mittelmäßiges Zeug gekauft haben. J. J. N. Lyversberg verhandle wegen des Verkaufs seiner Sammlung, für die er 100,000 holländische Gulden fordere, mit dem Kronprinzen der Niederlande. - B. habe jüngst noch zwei Marienbildchen von Dürer in Holz geschnitzt erhalten. - Ausführlich zu B.s Farbenbeobachtungen: Die Erscheinung des Blauen in der Dämmerung lasse sich vielleicht durch den Wiederschein der Abendröthe an dem Firmament erklären. B. sende G.s Erklärungsversuch vom 18. Juli dessen Wunsch entsprechend in Abschrift zurück. Ferner lege er für G. die Handschrift des Grafen F. Rostoptschin (Schreckenbach 1404) bei; Charakterisierung des Grafen. - Bitte um einen Islaendischen DoppelSpath.

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