Brief

Von Friedrich Schiller (29. November 1794)

S. sei daran interessiert, außer der Einleitung zu den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten", die er für sehr zweckmäßig halte, zugleich auch die erste Erzählung in den "Horen" zu veröffentlichen. Falls G. dies nicht realisieren könne, wolle er selbst rasch ein Morecau aus der Niederländischen Geschichte [...], die Belagerung von Antwerpen unter Philipp II. [...] kurz beschreiben (vgl. Schiller, "Merkwürdige Belagerung von Antwerpen in den Jahren 1584 und 1585", im 4. Stück der "Horen" 1795). - Da sich S. in seiner Ankündigung der "Horen" auf unsere Keuschheit in politischen Urtheilen berufen wolle, gebe er zu bedenken, daß verschiedene Äußerungen, die G. dem Geheimrat in der Einleitung der "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" in den Mund lege, Anstoß erregen könnten. Diese Anmerkung kommt von dem Redacteur. Als bloßer Leser würde S. ein Vorwort für den Geheimrat einlegen. - Sowohl auf "Wilhelm Meisters Lehrjahre" als auch auf die noch ungedruckten Bruchstücke des "Faust" warte S. mit einer wahren Sehnsucht. In den ihm bekannten Szenen des "Faust", in denen er einen Torso des Herkules sehe, herrsche eine Kraft und eine Fülle des Genies, die den besten Meister unverkennbar zeige. Über W. von Humboldts Begeisterung über G.s Art, den Homer vorzutragen. - Mit meinen aesthet. Briefen ist es bisher sehr langsam gegangen [...].

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