Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (9. Oktober 1816)

Anteilnahme am Tod von K. F. Zelters Tochter Klara. - Die Maler E. Hummel und F. Bury hätten die Gemäldesammlung besucht, aber nicht, um sich in unserer Sammlung zu erfreuen und zu belehren, sondern um ihre Zweifel zu äußern; erwähnt: J. van Eyck. Die Kerls glauben wohl die Geschichte der altdeutschen Kunst sey einem im Schlaf eingefallen [...]. B. habe ihnen schön nach Hause geleuchtet. - B.s Ansichten ernteten zur Zeit den meisten Wiederspruch von den vermeynten Anhängern der frommen Kunst. Mit den ihnen gleichsam als Realisten gegenüberstehenden Technikern werde er viel besser fertig. B. stimme mit der von G. im 1. Heft von "Über Kunst und Altertum" geübten Kritik an der Oberflächlichkeit bei der Kunstbetrachtung völlig überein, weil hier von der Menge gar leicht die Idee mit der Sache verwechselt werde und so die gefährliche Verwirrung entstehe, in die ein zum Denken und Grübeln geneigtes Zeitalter geraten könne. Hoffnung auf das 2. Heft von "Über Kunst und Altertum". - Durch die lange Abwesenheit des preußischen Königs und des Staatskanzlers (Fürst K. A. Hardenberg) von Berlin sei der Vertrag über den Umzug der Gemäldegalerie dorthin noch nicht unterzeichnet. B. habe jedoch Nachrichten aus Teplitz und Karlsbad, daß die Sache höchsten Orts bereits als genehmigt angesehen werde. - G.s Aufträge seien erfüllt: Der Buchhandlung (Mohr und Winter; vgl. RA 7, Nr. 371) sei gedankt, J. H. Jung gegrüßt, J. Schopenhauer und Bergrath (? F. S.) Voigt seien freundlich aufgenommen worden. - Der Rezensent von G.s "Farbenlehre" in den "Heidelbergischen Jahrbüchern" 1814 (Nr. 27) sei J. Fries, der, da es ihm mit der Philosophie schlecht ergangen, sich in eine DamenAstronomie, dann in eine Behelf-Physik und nun endlich in Judenhaß und Teutonismum geworfen habe, alles um des lieben Brods willen. Das Lob für den Rezensenten von "Dichtung und Wahrheit" (J. F. von Meyer, in: Heid Jbb 1814, Nr. 41) werde auch von F. Creuzer und K. Daub geteilt. B. sei durch das Erscheinen von G.s "West-östlichem Divan" (Gedichte und Sprüche) und der "Neuen Melusine" (1. Teil, beides im TbD 1817) sehr erfreut worden. Vorfreude auf das Erscheinen von G.s "Italienischer Reise". Es werde G. vielleicht interessieren, daß in der Straßburger Bibliothek eine Handschrift der "Iphigenie", in Prosa geschrieben und ehemals im Besitz eines Herrn von Ratsamhausen (? richtig: K. P. von Rathsamhausen; vgl. WA I 39, 465), aufbewahrt werde. - Dank für die übersandten Farben von F. Jagemann. M. Boisserée habe, angeregt durch die Beschäftigung mit dem Restaurations Wesen, Untersuchungen der in der Malerei verwendeten Farben angestellt.

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