Brief

Von Friedrich Schiller (17. Dezember 1795)

S. beneide G. um seine jetzige poetische Stimmung für seinen Roman. Er selbst habe sich lange nicht so prosaisch gefühlt, als in diesen Tagen. Es sei hohe Zeit, die philosophische Bude für eine Weile zu schließen. - Es ist prächtig daß der scharfsinnige Prinz sich in den mythischen Sinn des Mährchens so recht verbißen hat (vgl. RA 1, Nr. 1511). - Daß neben Jean Pauls "Hesperus oder 45 Hundsposttage" auch A. H. J. Lafontaines "Clara du Plessis und Clairant" (Berlin 1794) Erfolg habe, sei für S. ein seltenes Beyspiel von Characterlosigkeit bey einer ganzen Societaet. - K. L. M. Müllers Gedicht ("An den Verfasser der Briefe über ästhetische Erziehung des Menschen in den Horen") habe S. bereits im Sommer vom Verfasser erhalten; Genugtuung über dessen Veröffentlichung gerade jetzt. - J. F. Cotta könne über die neue Subskription für die "Horen" noch nichts sagen. Herdern will ich zu disponieren suchen, daß er die Religieuse (von Diderot) übersetzt.

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