Brief
Von Johann Heinrich Meyer (21. bis 26. Dezember 1796)
M. äußert große Freude über die von Schiller geführte Auseinandersetzung, in der er alle Erbfeinde verspotte, wie die von G. übersandten Blätter des "Musenalmanachs" für 1797 zeigten. Darin drücke sich aus, daß in Deutschland die Freyheit und Kühnheit seine Meynung auszusprechen, vorangeschritten sei, denn es haben mich diese Blätter wie in eine Neue Welt versetzt da Sie die Wahrheit ohne alle Schonung Predigen und das Sündige Geschlecht der Schwärmer & Heuchler & Thoren [...] geißeln. - Vorwiegend kritische Bemerkungen zu den auf der übersandten Liste genannten Büchern: P. A. Orlandi "Abbecedario pittorico" (Bologna 1704), H. Testelin "Sentiments des plus habiles peintres sur la pratique de la peinture et sculpture" (Paris 1680) sowie die Vite de Pittori Sc. & Arch Perugin, die Veri precetti della pittura und Peintre converty aux precises et universelles regles de son art. Geringschätzung der französischen Kunstschriften von A. J. Dézallier d'Argenville, R. de Piles und C. H. Watelet sowie englischer Schriften von D. Webb und Sir J. Reynolds. Lehrreich seien hingegen die Schriften zur Kunst von Winckelmann, A. R. Mengs und Leonardo da Vinci. - Abwertung französischer Meister wie J. A. Watteau, N. Poussin, F. Boucher, in deren Gemälden M. statt eines Genius nichts als Handwerck oder Werck des Verstandes gefunden habe. Den Grund dafür sehe M. im Dünkel der Franzosen, der sie in den Schranken der Mittelmäßigkeit halte, so auch französische Zeitgenossen, die M. in Rom kennengelernt habe; Einzelheiten dazu. Anerbieten, sich für die Beschaffung von guten Kunstbüchern in Rom einzusetzen. - Seiner Anteilnahme an der Entstehung von "Reineke Fuchs", "Wilhelm Meisters Lehrjahren" sowie anderen, kleineren Werken G.s habe M. gar vieles zu dancken. Bedauern darüber, nicht am Werden von "Hermann und Dorothea" unmittelbar teilnehmen zu können. Von Schiller erwarte er mit dem "Wallenstein" ein außerordentlich klar durchdachtes Werk. - M. habe in Rom von A. L. G. de Staël-Holsteins Buch "De l'influence des passions" (Ruppert 3134) nur gehört. Die hinterlassene Schrift Condorcets habe er nicht begriffen. - Das Ergebnis seiner bisherigen Arbeit bestehe darin, daß er durch die Auseinandersetzung mit den italienischen Meistern der Zeit vom 13. bis 16. Jahrhundert die Pfeiler genau umrissen habe, auf denen das ganze Gebäude der neuern Kunst ruhe. Aufzählung der für ihn wichtigen Meister. Augenblicklich befasse sich M. neben seiner Kopie zum Ewigen Vatter aus Raffaels "Vision des Hesekiel" mit der Baukunst und deren Entwicklung von der Zeit Karls des Großen bis zur Gegenwart. - K. J. K. M. Matthaei begleite den Prinzen Emil von Augustenburg auf seiner Reise in Italien. Wo bleibt denn Gerning? Aufforderung an W. von Humboldt, bald nach Italien zu kommen; Grüße an ihn, Schiller und Knebel.
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- Boucher, François
- Condorcet, Marie Jean Antoine Nicolas de Caritat Marquis de
- Dézallier d'Argenville, Antoine Joseph
- Friedrich Schiller
- Gerning, Johann Isaak
- Humboldt, Wilhelm von
- Johann Joachim Winckelmann
- Karl I. der Große
- Karl Ludwig von Knebel
- Leonardo da Vinci
- Matthaei, Karl Johann Konrad Michael
- Mengs, Anton Raphael
- Orlandi, Pellegrino Antonio
- Piles, Roger de
- Poussin, Nicolas
- Raffael
- Reynolds, Joshua
- Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Friedrich Karl Emil Prinz von
- Staël (S.-Holstein), Anne Louise Germaine de geb. Necker
- Testelin, Henri
- Watelet, Claude Henri
- Watteau, Jean Antoine
- Webb, Daniel
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