Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. 3. 6. 1787 (WA I 31, 277)

An den äußersten Polizeischranken der Vorstadt störte mich einen Augenblick ein Marqueur, der mir freundlich in’s Gesicht sah, aber schnell wieder hinweg sprang. Die Zollmänner waren noch nicht mit dem Vetturin fertig geworden, als aus der Kaffeebudenthüre, die größte chinesische Tasse voll schwarzen Kaffee auf einem Präsentirteller tragend, Kniep heraustrat. Er nahte sich dem Wagenschlag langsam mit einem Ernst, der, von Herzen gehend, ihn sehr gut kleidete. Ich war erstaunt und gerührt, eine solche erkenntliche Aufmerksamkeit hat nicht ihres Gleichen. „Sie haben“, sagte er, „mir so viel Liebes und Gutes, auf mein ganzes Leben Wirksames erzeigt, daß ich Ihnen hier ein Gleichniß anbieten möchte, was ich Ihnen verdanke.“ Da ich in solchen Gelegenheiten ohnehin keine Sprache habe, so brachte ich nur sehr lakonisch vor: daß er durch seine Thätigkeit mich schon zum Schuldner gemacht, und durch Benutzung und Bearbeitung unserer gemeinsamen Schätze mich noch immer mehr verbinden werde. Wir schieden, wie Personen selten von einander scheiden, die sich zufällig auf kurze Zeit verbunden.

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