Brief
Von Friedrich Ludwig Zacharias Werner (12. Juli 1808)
Dank für G.s Brief. - Reisebericht: Ende April habe W. NaturalEinquartirung erhalten und deshalb Berlin am 11. Mai verlassen. Seinen "Attila" habe er der Realschulbuchhandlung verkauft, deren Associé, J. E. Hitzig, sein Freund sei. In Dessau sei W. durch Matthisson, der inzwischen mit der Herzogin (Luise von Anhalt-Dessau) auf Reisen sei, mit der gräflichen Familie F. Waldersee bekannt geworden. Auf der Reise nach Leipzig habe ihm C. F. Sintenis Veranlassung zu dem 1. der beiliegenden fünf Sonette gegeben. ("An Elpizon"). - In Leipzig habe er G.s "Pandora" ("Prometheus" 1808, Heft 1 f.; Ruppert 329) und G.s "Faust. Eine Tragödie" (in: "Werke" A, Bd. 8), ein Geschenk Cottas, gelesen. In Epimetheus sehe er sein Porträt; begeistertes Lob bei Hervorhebung der "Zueignung", der "Kerker"-Szene sowie der Szenen "Vor dem Tor", "Studierzimmer" I und "Nacht. Offen Feld" im Vergleich zu Shakespeare. - In Göttingen habe er Blumenbach und Heyne gesehen. In Kassel seien das deutsche Schauspiel und die deutsche Oper aufgehoben worden. J. F. Reichardt, entre chien et loup, und J. von Müller seien zu dem Märtyrerthume (eines Kapellmeisters bzw. Ministers am Hofe des Königs von Westfalen) verdammt. W. sei in Aschaffenburg von K. T. von Dalberg sehr gütig aufgenommen worden und habe dann eine Rheinreise nach Köln unternommen. Hier könnte G. sich durch die Wunde der altgothischen Baukunst [...] überzeugen, daß auch das Christenthum für die Ewigkeit baut. In Frankfurt habe W. den seelisch und leiblich kranken Gerning und G.s Mutter gesehen, über die man im Zweifel sein könnte, ob sie der Epilogus der hellenischen, oder der Prologus der romantischen hohen Weiblichkeit sei. Seit dem 6. Juli sei W. in Heidelberg; heute wolle er über Karlsruhe und Stuttgart nach der Schweiz abreisen und von dort nach Paris gehen, Ende Dezember aber nach Heliopolis (Weimar) zurückkehren. - W. sehne sich nach Ruhe; Zitat eines Verses (aus H. W. F. Ueltzens Gedicht "Das Liedchen von der Ruhe"). - Vergebens suche er nach einem dramatischen Stoff; sogar der Rattenfänger von Hameln sei ihm eingefallen (vgl. den Anfang von W.s geplanter gleichnamiger Oper), und er denke auch an die Nibelungen, die er sich angeschafft habe ("Der Nibelungen Lied", Ruppert 793; vgl. W.s "Lied der heiligen drei Könige aus den Nibelungen Land"). G. möge ihm über Cottas Adresse nach Tübingen einen Stoff vorschlagen. G.s Sohn gelte in Heidelberg als ein Muster von Solidität. W. habe auch J. H. Voß besucht; H. Voß scheine ein trefflicher Mensch. Hinweis auf die beigefügten Sonette. - Empfehlung an Riemer.
Bezüge im Wissensnetz
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- Blumenbach, Johann Friedrich
- Hitzig, Julius Eduard
- Ueltzen, Hermann Wilhelm Franz
- Sintenis, Christian Friedrich
- Shakespeare, William
- Heyne, Christian Gottlob
- Reichardt, Johann Friedrich
- Matthisson, Friedrich
- Gerning, Johann Isaak
- Karl Theodor, Mainz, Erzbischof
- August von Goethe
- Johann Friedrich Cotta
- Friedrich Wilhelm Riemer (1774–1845)
- Johann Heinrich Voß
- Katharina Elisabeth Goethe
- Waldersee, Franz Johann Georg Graf von
- Anhalt-Dessau, Luise Henriette Wilhelmine (Fürstin) Herzogin von geb. Prinzessin von Brandenburg-Schwedt
- Voß, Johann Heinrich d. J.
- Waldersee, Franz Johann Georg Graf v.; dessen Familie
- Bonaparte, Jérôme
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