Brief

Von Gaetano Cattaneo (11. Februar 1818)

Dank für G.s Ende des vergangenen Monats erhaltenen Brief. Zu G.s Bitte um Zusendung von Medaillen: C. bedauere, daß G. nicht auf sein früheres Angebot eingegangen sei, aus seiner Sammlung von 1200 Medaillen auszuwählen (vgl. RA 6, Nr. 450). Diese seien inzwischen zugunsten des Mailänder Münzkabinetts getauscht worden. C. habe jedoch fast alle Medaillen bei dem Mailänder Antiquitätenhändler Sanquirico, Bruder des Malers A. Sanquirico, und bei einem gewissen Pessina ausfindig machen können; Anmerkungen zu den Preisen und der Qualität der Medaillen. C. habe durch seinen Assistenten zwei Verzeichnisse erstellen lassen. Hierbei könne auch G.s Sammlung von Medaillen der Päpste um fehlende Stücke erweitert werden; erwähnt: Papst Martin V. - Mit größter Mühe habe C. zwei Medaillen mit dem Porträt G. B. Bodonis (von L. Manfredini) und A. Canovas (von F. Puttinati) erwerben können. Neben der erbetenen Medaille mit dem Doppelporträt von A. Bassiano (und Giovanni dal Cavino, gefertigt von Cavino) übersende C. zudem zwei anläßlich des Besuchs von Kaiser Franz I. und Kaiserin Maria Ludovika von Österreich in Mailand geprägte Medaillen nach C.s Entwürfen (von G. Vassallo und Manfredini bzw. von Manfredini). - Zu G.s Bestellung von Medaillen aus den Werkstätten del Padovano und del Parmigiano (neben Cavino und Sohn u. a. vertreten durch L. Fragni und G. F. Bonzagni): C. erinnere sich, T. E. Mionnet angeregt zu haben, die einst im Museo di S.te Genoveffa befindlichen Medaillen des Paduaners in Schwefelpaste zu kopieren, um überlieferte echte Medaillen von imitierten zu unterscheiden; erwähnt: K. W. Becker. - Durch H. Mylius übersende C. ein schönes Exemplar des (von P. Gaetani herausgegebenen) "Museum Mazzuchellianum" sowie auf G. B. Brocchis Wunsch hin einige Bücher (Brocchi "Trattato mineralogico e chimico", "Memoria mineralogica sulla valle di Fassa in Tirolo" und "Conchiologia fossile subapennina"; vgl. RA 8, Nr. 258). - Zu G.s Anfrage nach G. Bossi: In Italien herrsche große Freude über G.s Bemühungen um Bossi. Selbst eine literarische Zeitschrift habe darüber berichtet; allerdings habe der Autor darin in unerlaubter Weise aus C.s Brief an Großherzog Karl August vom 17. Dezember 1817 (RA 7, Nr. 1414) zitiert, in welchem C. das in Bossis Karton "Der Parnaß" (nach Raffael) dargestellte Sujet erklärt habe (D. Bertolotti "Il Busto di Bossi, opera die Canova", in: ders. "Milano e la Lombardia nel 1818"). Freude auf G.s Aufsatz ("Joseph Bossi über Leonard da Vinci Abendmahl zu Mailand", in: "Über Kunst und Altertum" I 3). Über Bossis Studium, Leben und künstlerische Entwicklung in Rom seit 1795, wo C. mit ihm zusammen war; erwähnt: Bossis dichterische Arbeiten, Michelangelo, A. Appiani, G.s "Farbenlehre", Canovas Urteil über den Karton "Der Friede von Konstanz" sowie weitere Arbeiten Bossis im Auftrag seines Förderers F. Melzi d'Eril, dessen Neffe Giovanni, Napoleon, Bossis Abhandlung "Del cenacolo di Leonardo da Vinci" und Enobarbo (Kaiser Friedrich I. Barbarossa). Über drei für Bossis Freund G. A. Battaglia bestimmt gewesene Bilder zur Verherrlichung des italienischen Geistes, wovon nur der Karton "Il monte di Petrarca" ausgeführt sei, während die zwei Monti [...] del Dante, e del Boccaccio nur als Aquarellskizzen überliefert seien; erwähnt: Bossis Erben. Zu Bossis Arbeit an Leonardo da Vincis "Abendmahl", bei der er sich an der von A. Bianchi im Auftrag des Kardinals F. Borromeo für die Biblioteca Ambrosiana gefertigten Kopie orientiert habe; erwähnt: der Ankauf des Kartons durch den Vizekönig E. de Beauharnais. Weiter über Bossis Rötel-Zeichnungen nach Sujets aus dem Anakreon, die denen Raffaels in der Villa Doria ebenbürtig und jetzt im Besitz seines engsten Freundes F. Bellotti seien, des Übersetzers der Werke von Sophokles und Aischylos, sowie über die Gemälde "Ödipus auf Kolonos" und "La Riconoscenza". - Gedanken C.s über Bossis künstlerische Entwicklung; dessen spekulative Tendenzen hätten seiner Kunst geschadet. Die antiken Künstler hätten schwerlich die Ideen gehabt, die ihnen von J. J. Winckelmann, A. R. Mengs und P. F. d'Hancarville unterstellt worden seien; erwähnt: ein Gemälde F. Hartmanns für Fürstin Luise von Anhalt-Dessau. - Zu C.s Beschäftigung mit Bossis umfangreichem schriftlichen Nachlaß; erwähnt: Bossis autobiographische Schriften, seine unvollendet gebliebene kunstphilosophische Arbeit, die den Titel Raffaello da Montelupo tragen sollte, seine Dichtungen, Tagebücher und Übersetzungen, die geplanten Lebensbeschreibungen Mailänder Künstler und eine Dichtung im Stile des "Lamento di Cecco da Varlungo" (von F. Baldovini) im Mailänder Dialekt ("El Pepp Perucchee"). Weiter über Bossis Tätigkeit als Abgeordneter der Mailänder Akademie in der Versammlung der Zisalpinischen Republik und sein Verhältnis zu Napoleon, über seinen Aufenthalt in Paris, den Besuch des bayerischen Königspaares und des Kronprinzen mit der gesamten königlichen Familie 1808 in Bossis Atelier, die durch das italienische Vizekönigspaar erfahrene Unterstützung, seinen Förderer Comte E. Méjan, über Bossis Widerstände gegen eine Gruppe Gelehrter unter Führung des Conte G. Paradisi und L. Lambertis und die Gründung einer eigenen Kunstschule; erwähnt: ein kunstinteressierter Innenminister, der Bossis Rücktritt als Sekretär der Kunstakademie mitzuverantworten habe (? Marchese L. G. di Breme), Bossis Gemälde "Sepoltura delle ceneri di Themistocle", die im Entstehen begriffenen Denkmäler in der Ambrosiana und in der Akademie von Canova (und C. Pacetti) sowie C.s Grabrede auf Bossi ("Discorso recitato ... nel funerale"). Über Bossis Beziehungen zu Großfürstin Anna Fjodorowna, Gattin des Großfürsten Konstantin von Rußland, zu Erzherzog Johann von Österreich, der Prinzessin von Wales (Karoline von Großbritannien), Graf H. Bellegarde und über seine Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften; erwähnt: Graf F. Saurau. - Ankündigung der gedruckten Rede E. Viscontis zur Einweihung der von Canova geschaffenen Büste Bossis (vgl. Ruppert 44). - Empfehlungen an Großherzog Karl August und dessen Familie.

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