Normalzeugnis Zeugnis
Knebel an Henriette v. Knebel 14. 9. 1789 (Düntzer4 S. 96)
Max soll sich Volkmanns Beschreibung von Italien (NB. die neuste Ausgabe) anschaffen und solche als seinen Begleiter mit sich nehmen. An jedem Orte Italiens findet sich sogleich eine eigene Beschreibung desselben Ortes, die man gebrauchen muß. Die italiänische Sprache muß er täglich üben. Die Eingeborenen hören es gar gerne, wenn man ihre Sprache spricht. Da diese Nation hauptsächlich zu Weichlichkeit, Bequemlichkeit und Aisance in ihrer Lebensart und Sitten gewöhnet ist, so thut ihnen alles Harte und Rauhe unsrer Sitten besonders weh. Man richtet auch mit einem fahrenden, stürmischen Wesen gar nichts aus, als daß man allenfalls Messerstiche bekommen kann; klug und vorsichtig darf man aber in allen Stücken sein und genau das Seinige wollen, sonst wird man nur ausgelacht. Nichts zu scharf, nichts zu heftig, aber bestimmt und fest.
Was die Kleidung anbetrifft, so sagt mir Goethe, daß man die seidnen Kleider in Italien viel wohlfeiler kaufe, wie bei uns, die andern aber seien ungleich theurer. Mit einem guten gestickten Kleid, ein paar Fracks und allenfalls einer Montirung, wie sie Herr von Wöllwarth hier getragen, roth mit grünem Revers, komme man in Italien überall trefflich fort. Die meisten Franzosen und Engländer tragen solche Uniforms.
Cento, das Vaterland des Guercino da Cento, läßt Goethe besonders wegen der schönen Gemälde dieses Meisters rekommandiren. Es liegt zwischen Ferrara und Bologna, und wenige Reisende kämen dahin, ob es gleich sehr der Mühe werth wäre. Vor allem läßt Goethe auch diese Aisance, diese Bequemlichkeit, von der ich vor sprach, rekommandiren, daß man sichs durchaus müsse wohl sein lassen, und das nehme immer zu, je näher es gegen Neapel käme. Uebrigens empfiehlt er auch vorzüglich, mit eigenen Augen wohl zu sehen; das wäre das Beste, was man rathen könne.
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