Brief
An Johann Christian Kestner (15. Januar 1773)
Freytag Morgens
Diese Nacht Träumte ich von Lotten, und wie ich aufwachte sass ich so im Bett und dachte an all unser Wesen, von dem ersten Lager in Garbenheim, zum MondenmitternachtsGespräch an der Mauer. und weiter. Es war ein schönes Leben, auf das ich ganz heiter zurücksehe.
Und wie lebt ihr um den Engel? Ich binn ietzt ganz Zeichner, und besonders glücklich im Portrait. Da sagen mir die Madgen: wenn sie das nur in Wetzlar getrieben hätten und hätten uns Lotten mitbracht. Da sag ich denn ich wollte ehstens hinüber und euch alle Zeichnen. Da meynen sie das wäre kein sonderlicher Trost. Doch wenns die Leute drüben auch freut dass ich komm.
Es wird ein sonderbaares Frühjahr geben. Ich sehe nicht wie das alles auseinander gehen wird was wir angesponnen haben, indess sind Hoffnungen uns willkommen, und das übrige liegt auf den Knien der Götter.
Da ist ein Impressum komikum. Ein Exemplar Kielmanseggen und grüst ihn viel das andre etwa Schneidern.
Werdet ihr nicht einen Teutschen Merkur halten, dessen Nachricht ich hier mitteile.
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