Normalzeugnis Zeugnis

G. Geßner an Goethe 1. 11. 1797 (GJb 13, 24)

Dürft ich wohl so frey seyn Ihnen noch schriftlich einige Fragen vorzulegen? Sie um einige Belehrungen zu bitten? Mamma Barbara Schultheß macht mir Muth dazu, und ich wag’ es um der Güte willen, womit Sie mir jene belehrenden Winke gaben, in dem allzu kurzen Stündchen, da ich Sie in Ihrem Logis zu sehen die Ehre hatte. So gerne hätt’ ich Sie noch um mehrers gebethen, aber es entfiel mir, indem ich dem nachdachte was Sie mir sagten, oder ich war zu schüchtern um weiter zu fragen; freylich ein Widerspruch, wenn ich doch itzt dreist genug bin, Ihnen gar schriftlich beschwerlich zu fallen. Doch solche Widersprüche hat der Menschenkenner, an den ich schreibe, schon manchen gesehen. Was hätten Sie mir wohl noch bey meiner Bearbeitung der Geschichte der Ruth zu sagen über die Verbindung der durch die Zeit nothwendig getrennten Theile des Ganzen? Hat das Gedicht die Stetigkeit, die es haben soll? Aus welchen Grundsätzen sollte diess angesehen werden? Was sagen Sie von der gewählten Versart? Was von dem Reim? Was hätten Sie wohl noch sonst zu bemerken? das ich, wenn mein Verleger allenfalls eine zweyte Ausgabe übernehmen wollte, bey meiner Bearbeitung benutzen könnte.

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