Brief
Von Karl Friedrich Graf Reinhard (28. Juni 1824)
O. von Goethe sei erst diesen Morgen abgereist, nachdem sie auf Drängen ihrer Freunde die Abreise mehrfach verschoben habe. - Zu R.s Erwartung, G. in diesem Jahr in unsern Gegenden endlich einmal wiederzusehen; Einladung nach Frankfurt und bei R. das Hauptquartier aufzuschlagen. - J. P. Eckermann habe R. auf der Durchreise nach Heidelberg besucht; Anspielung auf das NT (Johannes 1, 43-51). - F. von Müller habe auf den Haupt-Inhalt von R.s letztem Brief (Brautwerbung G. von Diemars für seinen Sohn Georg um S. Reinhard; vgl. RA 10, Nr. 696) ausführlich geantwortet, trage aber die Rosenfarbe in seinem Auge; erwähnt: G.s "Farbenlehre". Die Haupt-Einwürfe seien: der junge Mann ist ohne wissenschaftliche Bildung, und die ganze Familie ist verschuldet. Sollte Diemar zudem keinen Sinn für Häuslichkeit und Sparsamkeit haben, wäre S. Reinhard verloren; Bitte um weitere Auskünfte dazu ohne Rückhalt. - Beiliegender Brief A. Jacobis sei durch R.s Brief verzögert worden. - Das angekündigte Heft von "Über Kunst und Altertum" (V 1) sei noch nicht eingetroffen. Lektüreeindrücke von Heft IV 3; erwähnt: die Parias-Mythe (G. "Des Paria Gebet", "Legende" und "Dank des Paria") und die "Zahmen Xenien" (III). Vorfreude auf den Briefwechsel mit Schiller (in G.s Redaktion; vgl. auch "Schillers Briefe an Goethe", in: "Über Kunst und Altertum" V 1).
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