Normalzeugnis Zeugnis

*Böttiger, Lit. Zustände 1, 203

Nach Wieland 2. 2. 1797 Als der Doctor u. Exadvocat Göthe als Favorit des Herzogs hier eintrat, fand ihn auch die verwitwete Herzogin äuserst liebenswürdig und witzig. Seine Geniestreiche u. Feuerwerke spielte er nirgends ungescheuter, als bei ihr. Er hat ihr sehr mit Undank gelohnt. – Alle Welt mußte damals im Wertherfrack gehn, in welchem sich auch der Herzog kleidete, und wer sich keinen schaffen konnte, dem ließ der Herzog einen machen. Nur Wielanden nahm der Herzog selbst aus, weil er zu alt zu diesen Mummereien wäre. Damals war noch ein Hof in Weimar. Nur Görz hielt es mit der regierenden Herzogin. Sonst zog die verwitwete alles an sich. Oft stellte sich der Herzog mit Göthe stundenlang auf dem Markt und knallte mit ihm um die Wette mit einer abscheulich großen Parforcekarbatsche. Niemand kann diese Periode besser beschreiben, als Bertuch, der dabei abscheulich mystificirt und einmal so geärgert wurde, daß er bald an einem Gallenfieber gestorben wäre.

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