Normalzeugnis Zeugnis

Luise v. Knebel, Erinnerungen (STA Weimar, HA C, K 3 Bl. 19)

Wie ich Göthe zum ersten mal sprach frappirte mich seine Person außerorndlich; ob er gleich unendlich liebenswürdig gegen mich war, konnte er die kleine Tücke, die er gegen mich hatte, das ich durchaus nicht nach Weimar hätte komen wollte nicht verbergen; indem er zu mir sagte – mein Fräulein was haben wir nicht alles thun müssen um endlich das Glück zu erlangen sie in unsern Besitzt zu bekommen; ich will es gern glauben, das mann in Berlin auch so gescheut ist; wie wir in Weimar das man ein so liebenswürdiges Wesen mit solchen ausgezeichneten Talent nicht gern hat aus dem lande gelassen hat u so f. Obwohl der gute Göthe noch gar nichts von meinen Talent gehört hatte; machte er mir doch das Compliment; und gab mir die Versicherung; daß das zwar schrecklich von seiner Seite gewesen wäre; wenn ich meinen Kontrack nicht gehalten hätte; er solche Maßreglen hätte gebrauchen müßen; die für mich sehr unangenehm gewesen sein würden. Da er Göthe wenn ich nicht nach Weimar gekommen wäre genötigt gewesen wäre es in den Zeitungen bekannt machen zu lassen; das mann vorsichtig handlen müsse, wenn mann mit mir im Kontrack treten wollte; indem ich den Kontrack in Weimar nicht gehalten hätte. Umso glorreicher wäre es aber für mich, und für das Höchste Fürsten Haus, als auch für das ganze W. Publikum daß sie das große Glück hätten nun in meinen gränzlosen besitzt zu sein u. d. g. m. zu schmeicheln verstand der Hofr. Göthe wenns darauf ankahm.

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