Brief
Von Bettina Brentano (Arnim) (18. Oktober bis 4. November 1810)
1810 Oktober 18 B. könne an G. nicht zusammenhängend schreiben, er solle sich durchbuchstabieren wie durch ihr Geschwäz bei der Begegnung in Teplitz (August 1810; vgl. G. an C. von Goethe, 1810 August 11, WA IV 21, Nr. 6024). Von Dresden kommende Berliner hätten ihr viel von G. erzählt. Zelter habe eine Kopie von G. von Kügelgens Goethe-Porträt bekommen; nun ers hat, mag ichs nicht mehr. - Erinnerung an eine Bergwanderung vor einem Jahr mit Reflexionen über die Natur. Du bist auch hineingebannt, in keinem Wort, in keinem Hauch Deiner Gedichte läst sie Dich loß [...]. 1810 Oktober 29 Über ihre Liebe zu G.s Leib und Seel. 1810 November 4 Durch G.s Brief, den B. am Vortag erhalten habe, sei sie gefangen gehalten in tausend süßen Gedanken. Gern vertraue sie G. das Leben zweier regen Jahre an mit den Geschichten aus G.s Kindheit, die seine Mutter ihr (1806 bis 1808) erzählt habe; und so kann ich Dir wohl gefallen, da ich gleichsam ein duftender Garten dieser Erinnerungen bin, worunter Deiner Mutter Zärtlichkeit die schönste Blüthe ist und [...] meine Treue die gewaltigste. - Sie schildert das Schicksal des einst mit ihr befreundeten jungen Arztes (J. P. Janson von der Stockh). Vor seiner Abreise in die Pestartigen Lazarete nach Augsburg sei die gleiche Rückhaltlosigkeit für den Briefwechsel ausgemacht, wie sie im Gespräch herrschte, und es wurde erkannt, daß meine Worte über Dich, mein liebemdes Wissen von Dir und der Mutter ein heiliger Schaz war, der nicht verlohren gehen solle [...]; und so kams, daß mein Briefwechsel mit den einzelnen Anektoden Deiner Jugend erfüllt war [...]. Schilderung von G.s Geburt unter Erwähnung der Großeltern Textor (Stoffgrundlage zu G.s "Dichtung und Wahrheit"; vgl. bes. "Aristeia der Mutter"). Ankündigung weiterer Erzählungen. - Kritisches Urteil über Zelters Vertonungen von G.s Liedern. Zelter, V. Righini, J. F. Reichardt und F. H. Himmel seien in ständigem Streit untereinander begriffen. Beethoven dagegen habe durch seine fromme Natur schon auf ihr Erbtheil verzichtet. - Bitte um baldige Antwort. Frage, ob G. seine Briefe an Jugendfreunde wiederhaben wolle.
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