Brief
Von Johann Heinrich Meyer (21. bis 26. November 1796)
Dank dafür, daß G. seine Furcht vor F. S. C. Brun zerstreut habe. Damit aber nichts umkomme, melde M., daß jene Dame, die an Tizians "Venus" Anstoß genommen, durchaus das Theater ohne Entrüstung besucht habe, woselbst die Tänzer [...] den deutlichsten Contour von Dingen zeigen womit sonst der Gott der Gärten keusche Damen erschreckt. Frivol-ironischer Bericht über diesbezügliche modische Auswüchse, die M. scherzhaft zur Anregung mitteilt: Bertuch zur Verbeßerung des Modejournals, G. zu irgend einem Epigramm und auch Schiller zur poetischen Anregung. - Ausführliche Beschreibung der Bauweise von Backsteingewölben mit stark bindendem Gips; Hinweis auf eine mögliche Nutzung beim künftigen Schloßbau in Weimar. - M. befasse sich derzeitig mit einer Kopie zum Ewigen Vatter aus Raffaels "Version des Hesekiel". In diesem Werk liege der Sinn des Großen Homerischen Jupiters. M.s eifrige Kunstbetrachtungen führten zur Vermehrung seiner Notizen und auch seiner Erkenntnisse. - Über die Herkunft der Vasen (vgl. RA 2, Nr. 403). - Dank für die besondern Nachrichten aus Weimar. Er wünsche, daß J. I. Gerning bald mit dem "Musenalmanach" ankomme, und freue sich über das Erscheinen seines Aufsatzes "Neueste Zimmerverzierung in Rom" ("Horen" 1796), erwarte aber darüber unter den Kunst & Geschmacksrichtern Entsetzliche Händel. M. übersendet Zeichnungen von Gegenständen aus dem Palast Chigi und von 2. Gefäßen zu Blumen als Muster für Loder (vgl. RA 2, Nr. 447). Grüße an die Freunde.
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