Brief

Von August Wilhelm Schlegel (16. März 1802)

Nochmaliger Dank für die Wahrnehmung von S.s Interessen bezüglich des "Jon". Die Geschichte von Böttigers vereiteltem Angriff habe S. unendlich ergötzt (vgl. G. an Bertuch, 1802 Januar 12, WA IV 16, Nr. 4463 und RA 4, Nr. 17). Eine öffentliche Beurteilung seines Schauspiels durch G. würde S. sehr freuen. Über die Versendung des Manuskripts nach Frankfurt; F. Unzelmann habe für S. nach Breslau geschrieben. Bitte um G.s Rat, wie der "Jon" anonym auf die Wiener Bühne zu bringen sei, denn in Berlin sei seine Verfasserschaft ein öffentliches Geheimniß. Zur Vorbereitung der Berliner Aufführung: H. C. Genelli und F. Tieck seien mit einem vortrefflichen Bühnenbild beschäftigt. - Berliner Theaternachrichten: In der Aufführung von H. J. Collins "Regulus" hätten sich Iffland und J. H. R. Meyer ausgezeichnet. Kotzebues "Kreuzfahrer" und "Zauberschloß" seien todt u begraben, seine beyden neuen Lustspiele ("Die französischen Kleinstädter" und "Die deutschen Kleinstädter") würden nächstens aufgeführt werden. Der dumme zweyte Theil der "Nymphe der Donau" (Oper von F. Kauer und K. F. Hensler) sei noch im Repertoire; in vierzehn Tagen werde Schillers Bearbeitung der "Turandot" (nach Gozzi) gegeben; Lessings "Nathan der Weise" (in Schillers Bearbeitung) finde viel Beyfall. - Vermutung, daß die verzögerte Entscheidung über das aufgegebne Intriguen-Lustspiel ("Dramatische Preisaufgabe", in: "Propyläen" III 2) an Neuzugängen liege; über den Heißhunger nach Lustspielen. Mit L. Catel, der nach Weimar reise, sende S. den fertig gedruckten "Alarkos" (Berlin 1802) seines Bruders und eine Sammlung von Dichtungen von S. Bernhardi (? "Wunderbilder und Träume in eilf Märchen", Königsberg 1802, und/oder "Dramatische Fantasien", Berlin 1804). S. empfiehlt besonders das kleine Drama und bittet, die Lesung damit anzufangen. - L. Tieck habe S. den 1. Teil seines Lustspiels "Kaiser Octavianus" (1801) geschickt, das vielleicht noch vollendeter als die "Genoveva" (Jena 1800) sei. - F. Tieck sei sehr fleißig; Erwähnung der von ihm geschaffenen Büsten der mit dem Grafen von Kalckreuth vermählten Tochter des Grafen von Haugwitz, K. F. von Bergs und der Gräfin von Voß. Mit seinen Arbeiten übertreffe er J. G. Schadow.

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