Brief
Von Karoline Sophie Luise Seidler (28. Mai 1819)
Blumen sollten G. sagen, wie häufig S. an ihn denke und wie sehnlich sehnlich sie ihn nach Rom wünsche (vgl. RA 8, Nr. 904). Begeisterte Schilderung ihres neuen Lebens. Die Blumen und Gewächse erschienen größer und schöner, selbst Steine, von denen sie u. a. in der Villa Hadriani für eine Tischplatte sammele, würden gute Freunde. Rom erscheine ihr täglich herrlicher. Ruinen u. Kunstwerke entzückten sie. Goldschmidts (? G. Fabricius) Geschichte, die ihr ein treuer Freund verschafft habe, bilde sie über Kunst u. Welt und Kirchengeschichte. - Über ihre Begegnungen mit M. und B. G. Niebuhr, D. von Schlegel und H. Herz; eine Christbescherung und eine Carnnevalsfarce mit der Aufführung eines Lustspiels ("Die ländliche Familie" von A. Klein) zu K. von Humboldts Geburtstag. Letztere sei die Schutzpatronin der deutschen Künstler und habe durch ihr großes Kunstverständnis, ihre Bestellungen und Auftragsvermittlungen mehrere Künstler aus Noth und Jammer [...] in momentanen Wohlstand versetzt. Mit ihrer Abreise habe man unendlich viel verlohren. - Über eine bedeutende Ausstellung deutsche Künstler in Rom (im Palazzo Caffarelli aus Anlaß des Besuchs von Kaiser Franz I. von Österreich), von der S. einen Katalog beilege, worin sie das vorzüglichste angestrichen habe. Charakteristisches zu den Werken von J. und P. Veit, W. Schadow, F. Overbeck und P. Cornelius; erwähnt: Raffael. Über den Nutzen der Freskomalerei und von Durchzeichnungen, wovon der Däne J. L. G. Lund die größte Sammlung besitze. S. wolle einen Kopf aus Pisa beilegen (aus dem Altarbild mit dem segnenden Christus von Ambrogio d'Asti). In der Bildhauerey sei B. Thorvaldsen ein wahrhaft göttlicher Heros. Zu seinem Arbeitsstil und seinem ungeheuren Triumphzug Alexanders (Fries am Quirinalpalast in Rom). Über das Werk von K. Eberhard, der im Styl Ghibertis arbeite. - Über S.s eigenes Schaffen: Ihr gar nichts können habe sie zuerst entmutigt, dann unendliche Lust zu vielem gehabt, doch wegen ihres Lebensunterhaltes habe sie porträtieren müssen. Ein Jahr in Rom sei zu wenig; S. bitte G. um Fürsprache bei Großherzog Karl August wegen Verlängerung ihres Aufenthaltes um ein Jahr. Im Sommer gehe sie nach Neapel, wo sich C. S. von Loevenich aufhalte. - Der gewaltige Religionseifer [...] scheint vorüber; es interessiere mehr das Aufkommen der neuen Schuhle. - J. M. von Rohden lasse sich empfehlen. - Es folge hier ein Kopf von unserm neuen Marc Anton S. Amsler (Papst Pius VII., gezeichnet von K. Herrmann, gestochen von Amsler). Beurteilung seiner Arbeiten nach Thorwaldson.
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