Normalzeugnis Zeugnis

Zur Morphologie. Andere Freundlichkeiten (LA I 9, 105)

Kaum hatte mein erstes der Natur gewidmetes Werkchen Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären, 1790 einiges, und zwar ungünstiges Aufsehen gemacht, als ich auf Reisen zu einem würdigen, bejahrten Mann gelangte, den ich in jedem Sinne zu verehren und, weil er mich immerfort begünstigte, zu lieben hatte. Nach dem ersten heiteren Willkommen bemerkte er mir einigermaßen bedenklich: er habe gehört, daß ich Botanik zu studieren anfange, wovon er mir ernstlich abzuraten Ursache habe: denn ihm selbst sei ein Versuch mißglückt diesem Zweige sich zu nähern. Statt fröhlicher Natur habe er Nomenklatur und Terminologie gefunden und eine so ängstliche Kleinlichkeitslust, den Geist ertötend und jede freiere Bewegung desselben hemmend und lähmend. Er rate mir daher wohlmeinend, ich solle nicht die ewig blühenden Felder der Poesie mit Provinzial-Floren, botanischen Gärten und Gewächshäusern, am wenigsten mit getrockneten Herbarien vertauschen. Ob ich nun gleich voraussahe, wie schwer es werden möchte den wohlwollenden Freund von meinen Endzwecken und Bemühungen zu unterrichten und zu überzeugen, so begann ich doch ihm zu gestehen, daß ein Heft über Metamorphose der Pflanzen von mir ausgegangen sei. Er ließ mich nicht ausreden, sondern fiel mir freudig ins Wort, nun sei er zufrieden, getröstet und von seinem Irrtum geheilt. Er sehe wohl ein daß ich die Sache nach Ovids Weise genommen und er freue sich schon voraus zu erfahren wie ich die Hyazinten, Klytien und Narzisse gar lieblich werde ausgestattet haben. Das Gespräch wandte sich nun zu andern Dingen die seinen vollkommenen Beifall hatten. So entschieden wurde damals verkannt was man wollte und wünschte: denn es lag ganz außer dem Gesichtskreise der Zeit.

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Geschaffen von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen