Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (8. bis 11. Dezember 1817)

1817 Dezember 8 Über neue Entwicklungen wegen des Verkaufs der Gemäldesammlung: Aus Berlin werde gemeldet, daß die Regierung nach wie vor Interesse am Kauf der Sammlung habe. Die Verminderung der Noth und Theurung sowie der Amtsantritt von K. vom Stein zum Altenstein, der die Verhandlungen mit B. geführt habe, seien positiv zu werten. Auf die geforderten neuen Verhandlungen wolle sich B. aber nicht einlassen. In Württemberg sei die Angelegenheit wegen dringenden allgemeinen Staatsgeschäften einstweilen bey Seite gelegt worden; erwähnt: König Salomo. 1817 Dezember 11 Dank für G.s Brief mit dem Entwurf der Abhandlung über Bossi und Leonardo ("Joseph Bossi über Leonard da Vinci Abendmahl zu Mailand" für "Über Kunst und Altertum" I 3). B. kenne Bossis Werk durch die Rezension von F. Müller in den "Heidelbergischen Jahrbüchern" 1816 (Nr. 72-76). Im "Morgenblatt" vom 31. Oktober 1817 habe B. von einer Ausstellung M. d'Oggionos in London gelesen, auf der eine Kopie von Leonardos "Abendmahl" mit zahlreichen Abweichungen vom Original gezeigt worden sei (Nr. 261, K. Trummer "Korrespondenznachrichten"). Zum großherzoglichen Besitz der Durchzeichnungen Bossis wünsche B. viel Glück. Es wäre schön, wenn G. vor dem Schluß der Abhandlung die Gelegenheit hätte, den Christuskopf von Hemmling (H. Memling; Kopie nach J. van Eyck) zu sehen, aber auch Leonardo gebe G. bereits die Möglichkeit, von der altdeutschen Mahlerei zu reden. - B. wolle mit seinen Studien nachweisen, wie das Colorit von Eyck an Leonardo gekommen sei. - Frage, wann G. die Schrift herausgeben wolle. Von H. Meyer habe B. erfahren, daß bereits mehrere Bogen von "Über Kunst und Altertum" (I 3) gedruckt seien. - Meyers Aufsatz ("Neu-deutsche religios-patriotische Kunst", in: "Über Kunst und Altertum" I 2) habe manche Verwirrung und Mißtrauen erregt; erwähnt: jenes ironisch seyn wollende Geschwätz der bösen Buben in G.s Nachbarschaft und ein B. empfohlener Virtuose, der das Blatt gelesen und abgesagt habe, weil er fürchtete, (in B.s Bildersammlung) einen Ducaten bezahlen zu müssen.

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