Brief

Von Katharina Elisabeth Goethe (2. Juni 1797)

Dank für die Mercure-Modejournahle und das Geld vor das Loteriloß. - Bericht über die Vorgänge in Frankfurt am 22. April 1797, hervorgerufen durch das verspätete Bekanntwerden des Präliminarfriedens bei der französischen Truppe: J. J. Mylius habe schon im Dezember 1796 vom Nationahl Confent die Neutralität vor unsere Stadt mitgebracht, wer hätte da nun nicht ruhig seyn sollen? [...] kein Mensch emigrirte. Die Franzosen habe man in einer Stunde erwartet: plötzlich sei S. Metzler in ihre Stube gestürmt und habe gerufen: Räthin es ist Friede! Mylius habe einen Courir von Bononaparte. Ein allgemeiner Jubel sei ausgebrochen, doch wenige Minuten später wäre die kaiserliche Kavallerie in die Stadt hereingesprengt, der eine ohne Hut - dort ein Pferd ohne Reuter [...] - auch hörte mann schißen. Wären die Franzosen nachgestürmt; so wäre die Masacker in der Stadt loßgegangen. Man habe aber vorher das Tor schließen können. General P. F. J. Lefebvre wolte durchaus nicht glauben daß Friede wäre [...] von unserer neutralität wüßte Er kein wort. Der kaiserliche Kommandant versicherte es auf sein Ehren wort, und alles endigte sich zu unserm Glück. Die Franzosen seien jetzt täglich in der Stadt. - Vorgestern sei auf Verlangen des Erbprinzenpaares Wilhelm und Augusta von Hessen-Kassel mit aller möglichen Pracht die Oper "Palmira" (von K. A. Herklots und A. Salieri) gegeben worden.

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