Brief

Von Karoline Esperance Marianne von Eybenberg (10. Dezember 1803)

Dank für G.s verschiedene Sendungen, insbesondere für G.s Zeichnung, Gedichte und die Szene aus der "Natürlichen Tochter", welche sie vollständig in Berlin habe lesen können. Wohl hatte ich recht mein lieber, theurer Freund, Ihnen zu wiedersprechen, als Sie behaupteten die Quellen seien nicht mehr so ergiebig; so lange Sie athmen, werden Sie gros sein; denn das erhabne, große liegt nicht in Ihnen, Sie sind es selbst [...]. - Bedauern, daß E.s Brief vom 4. Juli aus Teplitz offenbar verlorengegangen sei. - Bericht über ihre Reisen nach Teplitz, Berlin, Leipzig, Eger, Franzensbad und Regensburg. - In Regensburg sei sie durch die Nachricht vom Tode ihrer Freundin M. K. L. von Diede sehr erschüttert worden. In Padua werde der Verstorbenen von ihrem Mann nach einer Idee und Inschrift G.s ein Monument errichtet (vgl. G. an W. C. von Diede, 1782 Juli 15, WA IV 30, S. 20. Nr. 1517 a und WA I 2, 126; vgl. auch RA 4, Nr. 1532). - Hinweis auf ein in Regensburg bei dem Bruder des Generals Graf J. Klenau hängendes Johannes-Bildnis von F. Albani, das E. in Dresden bei J. D. Stock als Kopie gesehen habe. - Von Regensburg sei E. über Salzburg nach Berchtesgaden gegangen. Begeisterte und ausführliche Schilderung der dortigen Landschaft und des Königssees. Vom Besuch der Salinen und einer Sprengung: 'als auch die festen Felsen beben' (Anspielung auf G.s Gedicht "Beherzigung"). - Bei A. Nesselthaler habe E. ein Landschaftsbild für G. bestellt, das ein Graf Wallis aber nicht habe mitbringen können, da Nesselthaler für den Kurfürsten Ferdinand von Salzburg so viel arbeiten müsse. - Der MüntzFreund habe leider keine Münzen aus den Zeiten der Päpste für G. besorgen können. - Über E.s mißglückte Begegnung mit G. F. C. Sartorius, den G. auch an F. Gentz und J. F. von Retzer empfohlen habe (vgl. RA 4, Nr. 669), der aber krank geworden sei, sich offenbar in einer sehr subalternen societät verwickelt und auch Gentz und Retzer schlecht behandelt habe. - E. bedauert lebhaft, F. H. von Einsiedel, der ein so interessanter Mann sein solle, während seines Wiener Aufenthaltes nicht kennengelernt zu haben. Herzliche und dringende Einladung an G., nächstens mit Einsiedel nach Wien zu kommen. - J. Frank habe begeistert von seiner Begegnung mit G. berichtet, aber auch davon gesprochen, daß sie Gentz heiraten werde. Nachdrückliches Dementi dieses Gerüchtes. Über ihr freundschaftliches Verhältnis zu Gentz und die Schwierigkeiten, als alleinstehende Frau Fehleinschätzungen zu entgehen und entgegenzutreten: Das Gentz vielleicht seine gescheutesten Stunden bey mir verlebt, wer ahnt das; ich würde mich umsonst bemühn das ganze ins helle licht zu bringen, es würde sie blenden ohne sie zu erleuchten [...]. G. habe ihr einmahl vor vielen Jahren geschrieben man müsse fest stehen ohne steif zu sein [...]. - Grüße an L. von Göchhausen. Retzer hat mir viel schönes für Sie aufgetragen. Gentz, der G.s Gedichte vortreflich vortrage, finde G.s "Natürliche Tochter" göttlich schön. - Ankündigung von 12 Pfund Schokolade und 4 Fäßchen Caviar.

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