Brief

Von Karl Ernst Schubarth (27. bis 31. Januar 1822)

Die beiliegenden Blätter seien beim Suchen nach einer Tätigkeit zustande gekommen. Über die bedrückenden Einsichten, die sich aus allem seinen litterarischen Thun und Treiben ergeben mit Zitat aus G.s "Faust"; erwähnt: S.s "Zur Beurteilung Goethes" und "Ideen über Homer und sein Zeitalter" sowie G.s "Pandora", "Die natürliche Tochter", "Wilhelm Meisters Lehrjahre" und "Wilhelm Meisters Wanderjahre". - Positives Urteil über die ihm von A. Hagen zugesandten Gedichte mit dem Titel Blätter aus Albertinens Hayn (vgl. Ruppert 926), für die ein Verleger gesucht werde (Gebrüder Bornträger). Die Dichtungen seien Hagens "Olfried und Lisena" ebenso ebenbürtig wie den Leistungen J. P. Hebels und des Verfassers des Straßburger Lustspiels "Der Pfingstmontag" (D. Arnold). Über die Zukunft der deutschen Poesie nach dem Ende des Deutschen Reiches (nach 1806); vielleicht gelange man zur komischen Dichtkunst wie das Beispiel des Aristophanes zeige; erwähnt: Sokrates und seine Schüler (u. a. Platon und Xenophon) sowie G.s "Philostrats Gemälde" mit dem Nachtrag (in: "Über Kunst und Altertum" II 1 und II 3). - Reflexionen über Homers "Ilias" mit Versnachweisen (in J. H. Voß' Übersetzung). - Äußerungen über C. L. F. Schultz, J. G. Langermann und K. F. Zelter. Mit letzterem sei S. am wenigsten zufrieden, wobei ihm ein gewisses halbgeheimnißvolles Wesen bezüglich G. besonders mißfalle. Zelter behaupte, den zweyten Theil der "Pandora" und des "Faust" zu kennen, aber unter dem Verbot zu stehen, etwas darüber zu sagen. Mit T. Seebeck kannegießere und politisire er gewöhnlich. - Alle die genannten seien S. in der Kenntnis der persönlichen Zustände G.s voraus und sähen dadurch in G.s Werken vieles anders als S. Insgesamt glaube er aber ihnen überlegen zu sein. - Zum Sinn des "Faust" als Grundtragödie des modernen Charakters und S.s Beweggründen für seinen Ergänzungsversuch. - Über seine Bekanntschaft mit G. W. F. Hegel; Vergleich desselben mit Kant, J. G. Fichte und F. W. J. von Schelling; erwähnt: Hegels Staatsrecht (vgl. "Grundlinien der Philosophie des Rechts"). Äußerungen über Hegels Schüler L. von Henning und über S.s Begegnung mit F. A. Wolf. - S. lese L. Tiecks "Altenglisches Theater"; Gedanken zur Umarbeitung des alten König Lear durch Shakespeare. - Im März und April sei er in Breslau, werde dort heiraten und dann mit seiner Frau für immer in Berlin bleiben; Angabe seiner Adresse in Breslau bei (? E. R.) Lange im Weinholdschen Hause.

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