Brief
Von Johann Ludwig Friedrich Theodor Schnaubert (5. November 1804)
S. berichtet über die Verhältnisse, die er in Charkow angetroffen habe; je mehr ich sie indessen kennen lerne, desto weniger entsprechen sie meinen Wünschen. Es seien neun Professoren verschiedener Nationalitäten angestellt: die Russen I. S. Rishski für Rhetorik, I. F. Timkowski für das römische Recht, T. F. Ossipowski für reine Mathematik, der Serbe A. Stoikowitsch für Physik, die Franzosen J. N. Belin de Ballu für griechische und französische Literatur und W. F. de la Vigne für Botanik; neben J. B. Schad und S. selbst, L. Umlauf als Professor der Aesthetik, der lateinischen und deutschen Literatur. Außerdem seien neun Adjunkten da: die Russen E. Krüger für Mineralogie, J. L. Karetnikow für Botanik, J. A. Wassiljew für Baukunst, der Serbe F. Filipowitsch für Naturrecht. J. G. Barendt, der auch Pastor sei, für die lateinische und hebräische Sprache, der französische Emigrant Suvigny (N. L. Paqui de Souvigny) für die französische Sprache, J. Gamperle aus Prag für das römische Recht und die Deutschen J. E. F. Giese für Chemie, J. D. von Schmerfeld für Ökonomie und J. Lang für Philosophie. A. Reinisch, den Schad G. vorgestellt habe, werde Lektor und nach einer Probevorlesung zur Geschichte in einem Jahr Adjunkt. B. Reith aus Mainz sei auf ein Probejahr als Adjunkt angenommen. Als Zeichner und Maler sei D. J. C. Matthes, als Kupferstecher a. F. Schöpflin angestellt. Durch die Bemühungen des Hrn. Staatsrath W. N. Karasin sind fast alle Arten von deutschen Handwerkern hier. - Die bisher immer verschobene Eröffnung der Universität werde nicht vor dem 1, Januar 1805 erfolgen. Bis dahin sei eine Vorbereitungsklasse eingerichtet und die Leitung einem aus mehreren Professoren bestehenden Komitee übertragen worden, an dessen Stelle dann ein gut dotierter Rektor und Dekane, jeweils auf ein Jahr gewählt, treten werden. Über die von Zar Alexander I. unterhaltenen 40 Kronschüler und das Tragen von Uniformen von den Universitätsangestellten. - S. selbst werde wegen seiner Jugend viel angefeindet, vor allem von dem durch Graf Potocki begünstigten Adjunkten Giese. Von der Intrige Gieses bei dem gemeinsamen Auftrag, ein Mineralwasser in der Nähe der Stadt zu untersuchen, über die ihn sein Freund Umlauf aufgeklärt habe. Er bitte G. um Schutz gegen diese Kabalen.
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