Normalzeugnis Zeugnis
Campagne in Frankreich. 13.-17. 9. 1792 (WA I 33, 52)
Endlich gab es eine Art von erschütternder Bewegung und zugleich von Hoffnung, man hörte auf unserm rechten Flügel stark kanoniren und sagte sich: General Clerfait sei aus den Niederlanden angekommen und habe die Franzosen auf ihrer linken Flanke angegriffen. Alles war äußerst gespannt den Erfolg zu vernehmen.
Ich ritt nach dem Hauptquartier, um näher zu erfahren, was die Kanonade bedeute und was eigentlich zu erwarten sei? Man wußte daselbst noch nichts genau, als daß General Clerfait mit den Franzosen handgemein sein müsse. Ich traf auf den Major von Weyhrach, der sich, aus Ungeduld und langer Weile, so eben zu Pferde setzte und an die Vorposten reiten wollte; ich begleitete ihn, und wir gelangten bald auf eine Höhe, wo man sich weit genug umsehen konnte. Wir trafen auf einen Husarenposten und sprachen mit dem Officier v. Puttkamer, einem jungen hübschen Manne. Die Kanonade war weit über Grandpré hinaus, und er hatte Ordre nicht vorwärts zu gehen, um nicht ohne Noth eine Bewegung zu verursachen. Wir hatten uns nicht lange besprochen, als Prinz Louis Ferdinand mit einigem Gefolge ankam, nach kurzer Begrüßung und Hin- und Wiederreden von dem Officier verlangte daß er vorwärts gehen solle. Dieser that dringende Vorstellungen, worauf der Prinz aber nicht achtete, sondern vorwärts ritt, dem wir denn alle folgen mußten. Wir waren nicht weit gekommen, als ein französischer Jäger sich von ferne sehen ließ, an uns bis auf Büchsenschußweite heransprengte, und sodann umkehrend eben so schnell wieder verschwand. Ihm folgte der zweite, dann der dritte, welche ebenfalls wieder verschwanden. Der vierte aber, wahrscheinlich der erste, schoß die Büchse ganz ernstlich auf uns ab, man konnte die Kugel deutlich pfeifen hören. Der Prinz ließ sich nicht irren und jene trieben auch ihr Handwerk, so daß mehrere Schüsse fielen, indem wir unsern Weg verfolgten. Ich hatte den Officier manchmal angesehen, der zwischen seiner Pflicht und zwischen dem Respect vor einem königlichen Prinzen in der größten Verlegenheit schwankte. Er glaubte wohl in meinen Blicken etwas Theilnehmendes zu lesen, ritt auf mich zu und sagte: „Wenn Sie irgend etwas auf den Prinzen vermögen, so ersuchen Sie ihn zurückzugehen, er setzt mich der größten Verantwortung aus; ich habe den strengsten Befehl meinen angewiesenen Posten nicht zu verlassen, und es ist nichts vernünftiger als daß wir den Feind nicht reizen, der hinter Grandpré in einer festen Stellung gelagert ist. Kehrt der Prinz nicht um, so ist in kurzem die ganze Vorpostenkette allarmirt, man weiß im Hauptquartier nicht was es heißen soll, der erste Verdruß ergeht über mich ganz ohne meine Schuld“. Ich ritt an den Prinzen heran und sagte: „Man erzeigt mir so eben die Ehre mir einigen Einfluß auf Ihro Hoheit zuzutrauen, deßhalb ich um geneigtes Gehör bitte“. Ich brachte ihm darauf die Sache mit Klarheit vor, welches kaum nöthig gewesen wäre, denn er sah selbst alles vor sich und war freundlich genug mit einigen guten Worten sogleich umzukehren, worauf denn auch die Jäger verschwanden und zu schießen aufhörten. Der Officier dankte mir auf’s verbindlichste.
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