Normalzeugnis Zeugnis

Böttiger, *Lit. Zustände 1, 169 (LB Dresden)

Wieland 26. 11. 1795: Bei Ende des zweiten Bands des Wilhelm Meisters hoffte G. mit 4 Bänden auszukommen. Jetzt spricht er schon von 5 Bänden. Die 4 Frd’or pro Bogen schmecken so gut, daß noch 6 oder 8 daraus werden können. Die Geständnisse der schönen Seele, die die größte Hälfte des 3ten Bandes ausmachen sind von einer verstorbenen Dame, die Göthe nur nach seiner Art zuschnitt. Man sieht ihnen das fremdartige auf jedem Worte an. Es fehlte eben Göthe an Msct. Das ganze Buch hat dadurch schon eine auffallende Ungleichheit, daß morceaux aus ganz verschiedenen Perioden Göthes darinn sind. Ueberhaupt arbeitet Göthe so, daß er Stücke (z. B. bei einem Schauspiel Scenen aus dem 1 u. 5ten Act) einzeln ausarbeitet u. sie dann sehr lose zusammenhängt. Das erste Buch in Wilhelm Meister war schon vor 10 Jahren viel lebendiger einmal niedergeschrieben. Aber seltsam ist es, daß der Göthe, der in seinem Serlo u. Meister solche Ideale einer guten Theaterdirection aufstellt, selbst ein so abscheulicher Director ist und bald den Geschmack des weimarschen Publikums auf Haberstroh reduzirt haben wird (z. B. die Zaubercither).

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