Brief

Von August Wilhelm Schlegel (19. Januar 1802)

Dank für G.s Bemühungen um die erfolgreiche Aufführung des "Jon" in Weimar (am 2. Januar), von der die Jenaer Freunde berichtet haben. F. Tieck freue sich über den Effekt seiner Kostüme. Besonderen Dank für die strenge Geheimhaltung seiner Autorschaft, die jedoch durch die klatschhafte Indiscretion (von D. Veit) nicht gewahrt worden sei. J. F. Reichardt vermute zwar noch, daß G. der Verfasser sei, Kotzebue werde die Theaterdirektion in Berlin aber bereits unterrichtet haben. Bitte um Ifflands Urteil über das Stück, damit S. sich ihm gegenüber erklären und die Spannungen vom vorigen Winter beseitigen könne. S.s Vorlesungen, die beträchtliche Sensation gemacht, hätten sein Verhältnis zum Berliner Publikum vorteilhaft verändert. Dennoch erwarte S. von einer Berliner Aufführung des "Jon" nicht den vollständigen Erfolg wie in Weimar; Regie, Schauspieler und Publikum seien nicht an dergleichen Unternehmungen gewöhnt. Über die Eröffnung des neuen Berliner Schauspielhauses mit zwey erbärmlichen Stücken von Kotzebue ("Die Kreuzfahrer" und "Das Zauberschloß") und die herrschenden Unzulänglichkeiten, wie wohl es Iffland an einem Überfluß von Gesetzen nicht hat fehlen lassen. Bitte um Rat, wie S. sein Stück auf das Wiener Theater bringen könne. J. F. von Retzer und K. A. von Lichtenstein kenne er. F. Unzelmann habe E. Roose als Kreusa empfohlen. - S. habe allerley dramatische Plane im Kopfe, von denen er bis nächsten Sommer etwas ausführen und zuerst G.s Urteil unterwerfen wolle. - Ankündigung eines Lustspiels (? "Donna Laura" von S. Bernhardi) für die "Dramatische Preisaufgabe" ("Propyläen" III 2). - Weitere Mitteilungen von hiesigen literarischen und artistischen Neuigkeiten: F. Tieck habe die Büste der Unzelmann vollendet; die Goethe-Büste habe S. seinen Hörern vorgestellt; J. G. Schadows Büste von J. H. R. Meyer solle besonders gelungen sein. Tieck habe den offiziellen Auftrag für die Arbeit im Weimarer Schloß erhalten (Basreliefs) und werde seine Antwort diesem Briefe beilegen. L. Tieck habe vor kurzem aus Dresden von fertig gewordnen Arbeiten geschrieben (? "Kaiser Octavianus"). F. Schlegel werde in acht Tagen nach Dresden übersiedeln. Fichte wolle ab Februar in Berlin Vorlesungen halten. Vom erfreulichen Besuch A. L. Hülsens, der auf dem Lande lebe. Ankündigung der neuen kritischen Zeitschrift "Kynosarges" von A. F. Bernhardi. Über F. Bury, der seinen Plan, nach St. Petersburg zu gehen, aufgegeben habe; er würde sich schwerlich wie E. Lebrun durch Prahlereyen Geltung verschaffen können; Erwähnung von Burys Porträt des Hrn. von Pourtales (? J. H. K. F. von Pourtales). Zu A. L. Hirts Vorlesungen; S. und Hirt hätten sich gegenseitig dazu eingeladen.

Bezüge im Wissensnetz

Cookie-Einstellungen