Brief

Von Karl Jakob Ludwig Iken (26. Mai 1817)

Ermuntert durch J. H. Menken übersende I. einige Versuche aus dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, um sie G.s Urteil zu unterwerfen: I.s Übersetzung "Bertram, oder die Burg von Sankt Aldobrand" (Ruppert 1512) von C. R. Maturins "Bertram, or the Castle of St. Aldobrand" (Ruppert 1511), das in London nicht weniger als über dreißig mal aufgeführt worden sei und genau die Stufe des gegenwärtigen Geschmacks der Engländer beschreibe, wie I. aus den englischen Zeitungen und von Mrs Mary Still erfahren habe; erwähnt: W. Shakespeare, T. Otway, N. Rowe, F. Beaumont, J. Fletcher, J. Addison, N. Lee und G. Lillo. In seiner Übersetzung habe I. eine sehr abstoßende Stelle des Dramas zu mildern versucht. Maturin, ein Geistlicher im nördlichen England oder Schottland, habe mit "Manuel" inzwischen ein weiteres Stück veröffentlicht, das die gleiche Aufmerksamkeit erregt haben soll. Bitte um G.s Empfehlungen zur Übersetzung und um die Erlaubnis, eine künftige Herausgabe G. widmen zu dürfen (vgl. Ruppert 1513 und I. an G., 1818 Dezember 17, RA 8) . - Lob für die herrlichen Zeichnungen J. H. Menkens, die zu einem großen Fabelgedicht, "Die redenden Tiere" von G. B. Casti, gehörten, das I.s Schwager F. E. Walte aus dem Italienischen übersetzt habe und das (mit einem Vorwort I.s) bei F. Frommann in Jena gedruckt werde. Dieser werde G. die fertigen Druckbogen zusenden. Bitte um Rücksendung von J. H. Menkens Zeichnungen direkt oder über Frommann, da sie der hiesige Verleger J. G. Heyse ohne allen Zweifel als Kupfer mit dem Buch herausgeben werde. - Über die Arbeiten von J. H. und G. Menken. - F. A. Dreyer habe eine öffentliche Bildergalerie eröffnet, zu der ein Katalog im Druck erscheinen werde. Kritische Anmerkungen zum Kunstsinn der Bremer Kaufleute. - Übersendung von I.s Übersetzung einer Abhandlung über eine Erfindung, die die mercantile Welt jetzt mehr als alles andere beschäftigt (R. Buchanan "Über die Erfindungen, durch Dampf und andere neue Mittel Schiffe in Bewegung zu setzen", Ruppert 5354); eigene Eindrücke von einer Fahrt auf dem Dampfschiff und Zweifel an dessen Wirtschaftlichkeit. Bitte um G.s Urteil. - Bemerkungen zu Newtons und G.s Farbenlehre mit eigenen Beobachtungen I.s, die G.s Beobachtungen stützten; erwähnt: I.s Mutter. A. Schopenhauers "Über das Sehn und die Farben" (vgl. Ruppert 5081) und J. F. C. Werneburgs "Merkwürdige Phänomene an und durch verschiedene Prismen" (vgl. Ruppert 5253) bewiesen, daß G.s "Farbenlehre" die reine Lehre enthielte. - E. Müller, eine unserer ersten Pianofortespielerinnen, die G. mit ihrem Vater, W. C. Müller, im Sommer 1814 in Wiesbaden getroffen habe (vgl. G.s Tagebuchnotiz vom 1. August 1814), lege gegenwärtig einige von Ihren Compositionen bei ("Unserm Dichter", nach Gedichten G.s); erwähnt: Beethoven, der erste wahre Poet der Musik, der mehr als Musiker ist, und Mozart. Dem Musikhefte lege I. ein eigenes bei ("Göthen, dem Musikfreunde"). - Freude über das Erscheinen der "Umrisse zu Goethes Faust" von M. Retzsch und über die Ankündigung der Kupferstiche zum "Faust" von P. Cornelius, über die Fortsetzungen der Biographie (G. "Italienische Reise", 1. und 2. Teil), der Hefte "Über Kunst und Altertum" und einer neuen Ausgabe von G.s "Werken" ("Werke" B). - Hoffnung auf weitere köstliche Werke G.s.

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