Brief

Von Friedrich Heinrich Jacobi (12. April 1791)

J. entschuldigt sich, daß er wegen Krankheit G.s Brief nicht früher beantwortet habe. Deine Briefe gleichen dem Anklopfen, dem Vorüberrauschen eines Gespenstes. Aber ich hange auch an dieser Erscheinung. - Über wiederholte Lektüre des "Tasso": J. verstehe die Prinzessin, der Tasso habe ihn unangenehm an Rousseau erinnert, Antonio sei meisterhaft schematisiert, als Individuum könne er ihn sich nicht denken. Uebrigens bist du mir als Mann von Gefühl, und als speculativer Kopf, in keinem deiner Werke größer erschienen als in diesem Taßo. J. schildert weiterhin die Eindrücke der Lektüre von "Faust, ein Fragment". Um G.s "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären" zu studieren, habe sich J. botanische Lehrbücher von Linné angeschafft. - Über eigene Probleme: Je länger ich lebe, u. je mehr ich lerne desto weniger kann ich aus Himmel u. Erde klug werden. Die französische Revolution hat mir eine Zeitlang viel zu schaffen gemacht [...]. - Frage nach "Wilhelm Meisters Lehrjahren". - Von G.s Porträt (Stich von Lips) bestellt J. sechs Exemplare. Grüße an Lips.

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