Werk
Der Sonnenwirt
Epoche: Vormärz
Inhalt: Kurz widersteht jeder Trivialisierung des Geschehens im Sinne einer banal-schauervollen Räubergeschichte. Vielmehr unterbricht er im vorletzten Kapitel den Erzählzusammenhang, um in einer breit angelegten Reflexion nicht nur dem sensationsheischenden Interesse des Lesers entgegenzutreten, sondern vor allem die Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft für den Werdegang des Verbrechers zu stellen. Gerade mit diesem Kapitel, das auch heftig gegen die Todesstrafe opponiert, hatte Kurz zu Lebzeiten scharfe Kritik.
Zeit- und Sachbezug: Anders als Schiller versucht Kurz in seinem Roman eine realistische Darstellung der Geschehnisse zu geben; er schildert in 39 Kapiteln nach Gerichtsakten und Verhörprotokollen aus dem 18. Jh. die Lebensgeschichte Schwans, gibt damit ebenso eine Dokumentation sozialer Missstände wie eine individualpsychologische Studie über einen Gescheiterten und greift, wie er selbst in der Einleitung zum Vorabdruck von 1846 festhält, nur so weit auf die Fiktion zurück, als es notwendig ist, die Fakten - "eine trockene zerstreute Masse" - zu "verbinden und zu erklären". Kurz behandelt das Kohlhaas-Thema als sozial und gesellschaftskritisches Gleichnis.
Überlieferung: Der Roman, in Auszügen vorabgedruckt im Morgenblatt für gebildete Stände vom 18. Februar 1846, erschien 1855.