Werk
Godwi
Inhalt: Es geht um verwickelte Beziehungs- und Liebesgeschichten zwischen dem Kaufmannssohn Godwi und einer Reihe unterschiedlicher Frauen. Die Liebessuche offenbart eine zunehmende Weltentfernung, die sich gegensätzlich zu den Intentionen des Bildungsromans präsentiert, der das Subjekt in die Welt führt, um es dort seinen Platz finden zu lassen. Brentano integrierte einige seiner bekanntesten Gedichte: "Zu Bacharach am Rheine", "Ein Ritter an den Rheine ritt", "Ein Fischer saß im Kahne". Brentano orientierte sich inhaltlich und formal an Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre": er kombinierte Elemente der Prosaerzählung mit lyrischen Einlagen. Unverkennbar ist auch der Bezug zum Nibelungenlied: Brentano verortete den sagenhaften Schatz an einem mythischen Ort im Rhein, der für sein Echo und seine Untiefen bekannt war und erschuf die sirenenhafte Loreley.
Epoche: Romantik
Überlieferung: Der Roman erschien mit dem Untertitel "Ein verwilderter Roman", der sich in Teilen auf Schlegels Roman "Lucinde" bezieht. Fand nach dem Erscheinen wenig Beifall; erst das literarhistorische Interesse im 20. Jahrhundert an der (frühen) Romantik erzeugte neue Aufmerksamkeit. Der Godwi wird als erste rheinromantische Idealisierung der Landschaft innerhalb der deutschen Dichtkunst gewertet. Dimitri Schostakowitsch ließ sich von dem Loreley-Gedicht zu seiner 14. Sinfonie inspirieren (1970 uraufgeführt).
Zeit- und Sachbezug: Wichtiges Werk der Jenaer Frühromantik, das teilweise Übereinstimmungen mit dem Modell des Bildungsromans aufweist, Brentanos Interesse für die volkstümliche Lyrik dokumentiert und sich an Schlegels Poetologie orientiert.