Werk
Wally, die Zweiflerin
Überlieferung: erschien erstmals 1835; eine zweite Fassung folgte 1852 in den Gesammelten Werken unter dem Titel "Vergangene Tage".
Inhalt: Hauptthema des Romans ist neben der Problematik der sexuellen Emanzipation der 'modernen Frau' die religiöse Emanzipation, der Glaubenszweifel, an dem die exzentrische und mondäne Wally zugrunde geht: die "polemische Tendenz gegen die Ansprüche des Theologen- und Kirchentums" (Vorrede zur zweiten Fassung).
Zeit- und Sachbezug: Das berüchtigte Werk trug Gutzkow im Januar 1836 eine zweimonatige Gefängnisstrafe wegen "verächtlicher Darstellung des Glaubens der christlichen Religionsgemeinschaften" ein. Zuvor, am 10. Dezember 1835 im Bundestag zu Frankfurt, war der Roman den Zensurbehörden Preußens und des Deutschen Bundes willkommener Anlass, den Autoren des 'Jungen Deutschland' – neben Gutzkow Heine, Wienbarg, Laube, Börne und Mundt – die Verbreitung ihrer Schriften zu verbieten. Die Gestalt der Wally besitzt ihr realistisches Vorbild in Charlotte Stieglitz, die sich – von der Öffentlichkeit viel beachtet – am 21. Dezember 1834 tötete, um ihren Ehemann, den depressiven Dichter Heinrich Stieglitz, aus seiner Lethargie zu reißen.