Bibliotheca Electoralis (Wittenberg)
Die um 1500 in Wittenberg begründete "Bibliotheca Electoralis" bildet den historischen Gründungsbestand der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB). Die von Kurfürst Friedrich dem Weisen (1463-1525) in seiner Residenz in Wittenberg aufgebaute Kurfürstliche Bibliothek wurde unter seinen Nachfolgern Johann dem Beständigen (1468-1532) und Johann Friedrich I. (1503-1554) erweitert. Sie umfasst rund 1.500 Bände, neben vielen wertvollen Drucken des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jh. auch fast 200 mittelalterliche Handschriften, wie die Jenaer Liederhandschrift und die Chorbücher des Petrus Alamire. In ihren Anfängen diente die Bibliotheca Electoralis zunächst höfischer Repräsentation, 1512 beauftragte der Kurfürst seinen Rat und Hofhistoriografen Georg Spalatin (1484-1545) mit dem systematischen Aufbau der Bibliothek, der auch den Lehrenden und Studierenden der neugegründeten Universität dienen sollte. Die Bibliothek wurde auch von den Wegbereitern der Reformation, Martin Luther und Philipp Melanchthon, genutzt, deren Annotationen sich im Bestand finden. 1547 verlor Johann Friedrich I. infolge der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes in der Schlacht bei Mühlberg die Kurfürstenwürde und den größten Teil seiner Kurlande. Als Teil seiner beweglichen Habe wurde die Wittenberger Kurfürstliche Bibliothek zunächst nach Weimar, dann 1549 in das Dominikanerkloster St. Pauli nach Jena verbracht. In diesem befand sich auch die 1548 eröffnete Hohe Schule Jena, aus der 1558 die Universität Jena hervorging.
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