Werk

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden

Epoche: Klassik

Überlieferung: Erstdruck im "West-östlichen Divan" 1819.

Zeit- und Sachbezug: Spruchgedicht aus der Folge "Talismane" im "West-östlichen Divan".

Durch die Modeerscheinung orientalischer Sujets verbreitete sich im 18. Jahrhundert auch bei Goethe die Bekanntheit persischer Lyriker wie Saʿdī (1210-1291/92) und Ḥāfiẓ (1315-1390). Goethe übernahm das Gedicht "Im Atemholen sind zweierlei Gnaden" offenbar aus Saʿdīs Prolog in seinem persischen Werk "Gulistān" (Rosengarten): "Har nafasī ki furū mī-rawad, mumidd-i ḥayāṭ-ast wa čūn bar mī-āyad mufarriḥ-i ḏāt; pas dar har nafasī du niʿmat mauǧūd-ast wa ba har niʿmatī šukrī wāǧib." (Übers.: "Ein jeder Atemzug ist fürs Leben erneuend, wenn er absteigt, und fürs Wesen erfreuend, wenn er aufsteigt. Darum enthält jeder Atemzug zwei Gnaden, und auf einer jeden Gnade ruht eine Dankesschuld.")

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