Büchersammlung Helene und Carl Schlesinger
Mit der Liquidation des Abraham Schlesinger Bankhauses 1938 zog die Gestapo den Besitz der Familie 1942 zugunsten des Deutschen Reiches ein und übergab diesen zur Verwertung dem Oberfinanzpräsidium Berlin-Brandenburg. Obwohl die gesamte Familie mit dem 20. Osttransport nach Estland deportiert und ermordet wurde, war aus der Verwertung des Besitzes die Reichsfluchtsteuer an das Finanzamt Berlin-Schöneberg zu zahlen. Die ungefähr 500 Bücher der Familie wurden gemeinsam mit der Büchersammlung Edith und Georg Tietz [http://d-nb.info/gnd/112652705X] 1944 der Reichstauschstelle verkauft und in einem ihrer sächsischen Außendepots in der Nähe von Bautzen eingelagert. Der beauftragte Antiquar und Buchsachverständige Max Niederlechner schätzte die Büchersammlung der Schlesingers auf 500 RM, wobei er extra eine Jubiläumsausgabe der Werke Gerhart Hauptmanns aus dem Jahre 1922 erwähnte. Mit Kriegsende verlor sich die Spur der 1944 gekauften Sammlung und wurde als Trophäengut der sowjetischen Besatzungsmacht in Russland vermutet. Bis Anfang 2018 konnten 21 Exemplare der Büchersammlung Schlesinger im Altbestand der Stadtbibliothek Bautzen identifiziert werden.