Georg Melchior Kraus: Abendgesellschaft bei Anna Amalia („Tafelrunde“)

Die Zeichnung zählt zu den populärsten Darstellungen goethezeitlicher Geselligkeit und prägte die Vorstellung vom Weimarer Musenhof als Ort des ungezwungenen kulturellen Austauschs. Eine Abendgesellschaft, die sogenannte ‚Tafelrunde‘, versammelt sich um Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, die im Zentrum konzentriert malt. Sie lud regelmäßig in ihr ab 1775 bewohntes Wittumspalais, wo gemeinsam gelesen, gezeichnet und musiziert wurde. Dort begegneten sich Gelehrte, Schriftsteller*innen, Künstler*innen sowie adliges Hofpersonal standes- und geschlechterübergreifend – so demonstriert es zumindest das 1795 entstandene Aquarell. Es stammt vom Maler Georg Melchior Kraus, der ab 1776 die Fürstliche Freie Zeichenschule in Weimar leitete und oft an den Zusammenkünften teilnahm.

Dargestellt sind, in Tätigkeiten vertieft oder zuhörend, von links nach rechts: der Maler und Kunstschriftsteller Johann Heinrich Meyer, Henriette Freifrau von Fritsch, Johann Wolfgang von Goethe, der Kammerherr und Dichter Friedrich von Einsiedel, Herzogin Anna Amalia, der englische Maler Charles Gore mit seinen Töchtern Eliza und Emily, die Hofdame Luise von Göchhausen sowie Johann Gottfried Herder.

Die auf dem Blatt namentlich vermerkten Persönlichkeiten konnten in dieser Konstellation und privaten Nähe kaum zusammenkommen. Es handelt sich um eine aus verschiedenen Situationen konstruierte und idealisierende Komposition, die – verbreitet durch Stiche – das Bild der Weimarer Klassik nachhaltig bestimmte.

Künstler/in:

Kraus, Georg Melchior (1737–1806)

Datierung:

um 1795

Objekttyp:

Zeichnung

Material / Technik:

Aquarell, Feder in Schwarz

Sammlung:

Museen

Bestand:

Großherzogliche Sammlung

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