Georg Friedrich Kersting: Die Stickerin

Der Rückzug ins Private bestimmt die Goethezeit ebenso wie die Geselligkeit. Intime Darstellungen von Innenräumen gehören zu den wichtigen Errungenschaften der Malerei in Romantik und Biedermeier. Umgeben von zeittypischen Möbeln und Zimmerpflanzen sieht man Einzelpersonen, die zeichnen, lesen, sinnieren oder, wie hier, Handarbeiten nachgehen. Die Stickerin ist eines der bekanntesten Werke von Georg Friedrich Kersting, der sich auf kleinformatige Interieurbilder spezialisiert hat. Während der Ausbildung in Dresden freundete er sich mit Caspar David Friedrich an, mit dem er das feine Gespür für Lichtwirkungen teilt.

1811 begegnete Kersting dort Louise Seidler, die er im Gemälde, von dem zwei weitere Fassungen existieren, porträtierte. Die Malerin und spätere Kustodin der Großherzoglichen Kunstsammlung in Weimar wurde von Goethe hochgeschätzt und machte ihm das Bild bekannt, wovon sie in ihren Lebenserinnerungen berichtet.

Vertieft in ihre Stickerei ist die Rückenfigur vom hereinströmenden kühlen Licht erhellt – ihr Gesicht wird im Spiegel rechts reflektiert. Handarbeit wurde typischerweise Frauen zugeschrieben, verweist aber auch auf Seidlers künstlerische Anfänge. Das Porträt an der Wand und die Gitarre mit Noten auf dem Sofa geben vermeintliche Einblicke in das Leben der Dargestellten, bestimmend ist jedoch die Distanz zu den Betrachtenden. Das Werk wurde 1811 in Weimar ausgestellt und auf Empfehlung Goethes, der Kerstings Kunst bewunderte, von Herzog Carl August erworben.

Künstler/in:

Kersting, Georg Friedrich (1785–1847)

Datierung:

1811

Objekttyp:

Gemälde

Material / Technik:

Öl auf Leinwand

Sammlung:

Museen

Bestand:

Großherzogliche Sammlung

Link:

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